„In meinem Projekt geht es um Zufallsprozesse, die in der Natur und in vielen Wissenschaftsbereichen eine Rolle spielen“, sagt Alexis Prévost. „Ein besseres Verständnis dieser Modelle hilft nicht nur, mathematische Grundlagen weiterzuentwickeln, sondern kann auch langfristig Anwendungen in anderen Wissenschaften ermöglichen.“ Sie reichen von der Materialforschung über theoretische Physik bis hin zur Wahrscheinlichkeitstheorie. Beispiele sind Fragen, wie Eis zu Wasser schmilzt oder wie sich bestimmte Strukturen in Netzwerken bilden.Das Thema der neuen Emmy-Noether-Forschungsgruppe „Universalitätsklassen für stark korrelierte Modelle“ dreht sich um komplexe Systeme, in denen sich Regionen in räumlicher Nähe gegenseitig beeinflussen. Solche „stark korrelierten Modelle“ treten zum Beispiel in der Physik oder Biologie auf, wenn man verstehen will, wie sich Magnetismus in Materialien verteilt oder wie Enzymgele abgebaut werden. „Mein Ziel ist es, solche Systeme mathematisch besser zu verstehen und allgemeine Gesetzmäßigkeiten zu finden, die auch für andere wissenschaftliche Fragestellungen wichtig sind“, sagt Prévost, der auch assoziiertes Mitglied des Hausdorff Center for Mathematics ist.
Der Mathematiker arbeitet mit Forschenden aus verschiedenen Ländern und Universitäten zusammen, unter anderem die University of Cambridge, das Imperial College London und die École Polytechnique Fédérale de Lausanne. Außerdem will er mit Wissenschaftler*innen an der Universität Bonn kooperieren, insbesondere aus dem Transdisziplinären Forschungsbereich „Modelling“. Seit Anfang März leitet der Wissenschaftler am Institut für Angewandte Mathematik eine Emmy Noether-Gruppe, die herausragenden Wissenschaftler*innen die Möglichkeit eröffnet, sich für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren. Die Forschungsgruppe wird mit bis zu 1,3 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Die Laufzeit beträgt zunächst drei Jahre und kann nach einer positiven Zwischenbegutachtung um weitere drei Jahre verlängert werden.
Weg an die Universität Bonn
Alexis Prévost, geboren 1992 in Versailles (Frankreich), studierte in Paris Mathematik und promovierte an der Universität zu Köln. Anschließend arbeitete er an der University of Cambridge und an der Universität Genf. Seit März 2025 ist er Leiter einer Emmy Noether-Gruppe am Institut für Angewandte Mathematik der Universität Bonn. Er wurde 2023 mit dem Förderpreis der Fachgruppe Stochastik ausgezeichnet.